Saarländischer Museumsverband e.V. - für Geflüchtete

Integration durch kulturellen Austausch und Begegnung

Museen sind Orte der Kultur und der Erinnerung. In dieser Funktion greifen sie auch aktuelle Themen der Gesellschaft auf und bieten Raum für Begegnung und Austausch, beispielsweise im Bereich der Integration geflüchteter Menschen. Saarländische Museen entwickeln Projekte, übernehmen konkret Verantwortung und leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Lösung einer der größten Herausforderungen unserer heutigen Gesellschaft. Einige Projekte werden im Folgenden beispielhaft dargestellt.

Haus Saargau – Steine formen – Brücken bauen

Haus Saargau startete 2016 mit einer sehr bewegenden Ausstellung "Steine formen - Brücken bauen; ein syrisch-deutsches Kunst-Integrationsprojekt". Der Künstler Gerhard Fischer aus Überherrn begann im Herbst 2015 zehn junge syrische Flüchtlinge anzuleiten, Skulpturen aus Speckstein zu erarbeiten. Dies diente nicht nur dem künstlerischen Schaffen, sondern auch dem gegenseitigen Austausch und Kennenlernen. In den Arbeitspausen berichteten die Flüchtlinge über ihre Hoffnungen und ihren Weg, der sie nach Deutschland geführt hat. Im Rahmen der anschließenden Ausstellung im Haus Saargau waren nicht nur die angefertigten Skulpturen Thema, sondern auch die auf dem Fluchtweg erlebten Erfahrungen der jungen Menschen, die in kurzen, sehr persönlichen Briefen festgehalten wurden. Jede Skulptur wurde mit einem offenen Brief desjenigen vorgestellt, der sie gefertigt hatte. Darin schilderten die Geflüchteten ihre Lebenssituation und was sie bewogen hat, ihre Heimat zu verlassen. Sie berichteten von ihren Erlebnissen, ihren Ängsten und Hoffnungen und luden zu einem Perspektivenwechsel in ihre Lebenswelt ein. Mit der Ausstellung erfuhr die Arbeit der Projektteilnehmer eine besondere Würdigung und Wertschätzung. Öffentlichkeit wurde hergestellt, Begegnung und Austausch möglich. Eine Chance, sich über die künstlerische Arbeit hinaus mitzuteilen. 

Gemeinsame Geschichte finden in der Römischen Villa Borg

Seit einigen Jahren werden dem Archäologiepark Römische Villa Borg von der Arbeitsagentur Mitarbeiter im Rahmen von Beschäftigungsmaßnahmen zugewiesen. In der letzten Zeit befinden sich auch immer häufiger Flüchtlinge aus Syrien unter den zugewiesenen Mitarbeitern. Die sprachliche Verständigung ist anfangs meist etwas schwierig, sobald aber verstanden wird, dass es sich bei den Ausgrabungen um eine römische Fundstelle handelt, ist das Interesse häufig groß. Es werden sofort Parallelen zu den archäologischen Stätten im Heimatland hergestellt und die Verwunderung ist groß, dass es hier in unserer Region ebenfalls Römer gegeben hat. Diese „historische“ Verbindung zwischen der alten und der neuen Heimat wirkt sich positiv auf das Interesse an der Arbeit in der Römischen Villa Borg aus und schafft eine Basis für Ankommen, Verständigung und Integration. 

Integration in Gondwana – dem Prähistorium

In dem Erlebnispark „Gondwana – das Prähistorium“ fand nicht nur eine Benefizveranstaltung für die 151 Flüchtlinge statt, die in der Ortsgemeinde Schiffweiler angekommen waren, um ein herzliches Willkommen in Deutschland zu bereiten. Darüber hinaus beschäftigt der Park seit Oktober 2015 Flüchtlinge aus Syrien als Vollzeitarbeitskräfte und als Aushilfen. Darunter ist ein Azubi zum Einzelhandelskaufmann und ein Techniker, der als angelernter Trockenbauer aus Syrien kam, im Prähistorium eine Rundumweiterbildung in Veranstaltungstechnik erhalten hat und nun in Festanstellung dem Team angehört. Das Prähistorium bietet zudem fortwährend Arbeitsstellen auch für Flüchtlinge über die Agentur für Arbeit und über die regionale Flüchtlingsbetreuung an.